Wandel zur Wildnis im Nationalpark Kalkalpen

1997 gegründet in einem Gebiet ehemaliger Forstwirtschaft, zeigt der Nationalpark Kalkalpen in Österreich jetzt einen beeindruckenden Wandel hin zu einem echten Wildnis-Gebiet. In den letzten 25 Jahren stand das fast 21.000ha große Areal unter strengem Schutz, seitdem wurde hier nicht mehr geforstet, gerodet, gefällt oder anderweitig gemanagt. Jetzt ist der Nationalpark Heimat für unzählige bedrohte Arten und Schauplatz und Lernort über natürliche Prozesse.

Wie verändert sich der Wald ohne aktives Management?

Der Nationalpark Kalkalpen ist ohne Zweifel ein Wald-Nationalpark: 30 verschiedene Baumarten in 32 verschiedenen Waldtypen bedecken 87% der Gesamtfläche. In einem aufwändigen Kartierungs-Projekt wurde der heutige Stand der Wälder mit dem bei der Gründung des Nationalparks verglichen. Die Wissenschaftler wollten sehen, wie 25 Jahre ohne intensive Nutzung, sogar ohne irgendeinen menschlichen Eingriff sich auf die Zusammensetzung und Gesundheit des Waldes auswirkt. Das Ergebnis: Es tut dem Wald gut! Während die früher wegen ihres schnellen Wachstums gepflanzte Fichte weniger wird, nehmen natürliche Laubbäume wie Buche wieder zu. Auch alte Bäume, die in wirtschaftlichen genutzten Wäldern keinen Nutzen haben, dürfen hier nun wieder altern, sterben und zerfallen. So kann man zum Beispiel die älteste Buche im ganzen Alpenraum hier finden (stolze 546 Jahre) und auch die älteste Fichte steht schon seit 436 Jahren in den Kalkalpen. 

Die Bedeutung von Totholz für den Wald

Auch solche Arten, die auf Totholz angewiesen sind profitieren von einem natürlicheren Wald. Da Forstwälder meistens intensiv genutzt werden und Totholz dort sofort entfernt wird, verlieren diese Flächen oft viele der dort heimischen Arten. Xylobionten (= in Holz lebende Arten) aus der Tier-, Pilz- und Pflanzenwelt brauchen nämlich altes, absterbendes Holz um zu überleben und machen immerhin 4.500 aller Arten im Nationalpark Kalkalpen aus. Ganze zwei Drittel der auf Holz angewiesenen Käferarten stehen inzwischen schon auf der Roten Liste für bedrohte Arten. Da Insekten auch Futter für andere Tiere wie Vögel oder kleine (oder sogar größere) Säugetiere sind, spürt man diese Effekte auf allen Ebenen im Ökosystem.

In Nationalpark Kalkalpen hat sich die Fläche von totem Holz seit Ende der Bewirtschaftung vor 25 Jahren immerhin verdoppelt – ein gutes Zeichen für den Wald. Beigetragen haben hierzu auch Borkenkäferbefall und mehrere intensive Stürme in den letzten Jahren, die durch ihren Stör-Effekt viele neue Strukturen im Wald hergestellt haben. Von denen profitieren jetzt besonders Käfer- und Pilzarten, aber auch die gesamte Artenvielfalt im Wald.

Einwirkungen des Klimawandels und zukünftige Perspektiven

Nicht nur Abholzung und das Entfernen von Totholz, auch der Klimawandel mach Wäldern auf der ganzen Welt zu schaffen. Da Bäume lang-lebige Organismen sind (siehe die Jahrhundertbäume oben im Text), ist jeder Wandel im Wald, auch der zu mehr Wildnis, gezwungenermaßen relativ langsam, zumindest aus menschlicher Sicht. Der menschengemachte Klimawandel ist aber eine relativ schnellere Änderung für den Wald, und hat daher verschiedene Auswirkungen. Er begünstigt zum Beispiel die Fortpflanzung und Ausbreitung des Borkenkäfers. Außerdem ändert sich auch die Zusammensetzung der Bäume, da verschieden Arten auch verschieden gut mit steigenden Temperaturen und mehr Trockenheit umgehen können.

In Zukunft werden also wohl mehr Laubbäume wie Buchen im Wald stehen, mehr Borkenkäfer und mehr Totholz wird dort sein. Aber der Wald an sich wird hoffentlich noch viele Jahrhunderte überstehen.

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