Meister der Tarnung: Die Wechselkröte ist Lurch des Jahres 2022

Das Outfit der Wechselkröte erinnert einen doch stark an einen Tarnanzug, oder? Sie können ihr grün-beiges Grundmuster aufhellen oder verdunkeln, je nach Licht-, Temperatur- und Umweltverhältnissen. Der Name Wechselkröte kommt nicht nur vom Wechseln der Farbe, sondern möglicherweise auch daher, weil die Wechselkröte sehr wanderfreudig ist und gerne neue Lebensräume erobert. Deutsche und österreichische Herpetologen (Amphibien- und Reptilienforscher) haben die sehr gefährdete Kröte mit den goldgrünen Augen zum Lurch des Jahres 2022 ernannt.

Wärmeliebende Steppenart

Ursprünglich ist die Wechselkröte eine Steppenbewohnerin, deswegen liebt sie trockene, warme Lebensräume. Diese sind leider mittlerweile schon sehr selten geworden, weswegen sie oft auf Gärten und Siedlungen mit natürlichen Schwimmteichen ausweichen. Deswegen hat die Wechselkröte auch den Spitznamen “Dorfkröte” bekommen. Wechselkröten sind Pionierarten, das heißt sie wandern recht weit und besiedeln schnell neu entstandene Lebensräume. Das sind meistens kleine, sonnige und fischfreie Gewässer mit wenig Vegetation, z.B. Tümpel, Teiche und wassergefüllte Senken in Feldern und Wiesen. Die Kaulquappen der Wechselkröte können in flachen Gewässern leicht entdeckt warden, denn sie erzeugen durch ihre schnellen Bewegungen kleine, wabenförmige Mulden im Boden. Dort steht das Wasser etwas länger und schützt die Kaulquappen so vor dem Austrocknen.

Talentierte Sänger

Wechselkröten laichen zwischen April und Juni. Das Männchen lockt das Weibchen mit seinem melodiösen Triller-Gesang an. Wenn sich das Paar gefunden hat, legt das Weibchen Tausende Eier in Form von 3-4 m langen Laichschnüren in das Wasser ab. Die Laichschnüre warden dabei gleichzeitig vom Männchen befruchtet, welches den Rücken des Weibchens umklammert. Wenn der Laich und die geschlüften Kaulquappen nicht von Fressfeinden verspeist werden, verwandeln sich die Kaulquappen nach 8-12 Wochen in Jungkröten. Sie gehen im Sommer an Land und werden nach 2-3 Jahren geschlechtsreif. Dann kehren sie zu ihrem Geburtsgewässer zurück, um sich selbst zu paaren und abzulaichen. Wenn plötzlich Tausende kleiner Mini-Kröten in Gärten und Wiesen herumhüpfen, nennt man das “Krötenregen”. Solche Ereignisse sind mittlerweile leider sehr selten geworden.

Wanderlust

Wechselkröten können einige Kilometer innerhalb eines Jahres wandern. Sie bewegen sich mit kleinen, schnellen Sprüngen. Direkt nach der Laichsaison wandern sie in ihren Landlebensraum zurück und leben versteckt tagsüber und auch während des Winters unter Holzhaufen, Steinen, in Mauslöchern oder kleinen Höhlen, die sie sich selbst graben. Sie sind dämmerungs- und nachtaktive Tiere. Sie fressen vorwiegend Insekten, Spinnen, Regenwürmer und Schnecken und können bis zu 10 Jahre alt werden.

Kröte in Not

Die Wechselkröte ist auf der Roten Liste in Österreich als gefährdet eingestuft, in Deutschland als stark gefährdet und in der Schweiz ist sie bereits ausgestorben. Außerdem ist sie wegen der alarmierenden Bestandsrückgänge auch im Anhang IV der FFH (Flora-Fauna-Habitat)-Richtlinie der EU gelistet und deswegen sogar europaweit streng geschützt. Hauptsächlich für den Populationsrückgang verantwortlich ist die Veränderung in der Landnutzung aufgrund steigender Industrialisierung in der Landwirtschaft, was dramatische Lebensraumverluste und die Zersplitterung der verbliebenen Populationen verursacht hat. Als wanderfreudige Art ist die Wechselkröte auch ernsthaft durch Habitatzerschneidung aufgrund von Straßen, Straßentod und großflächige Bodenversiegelung bedroht. Die letzten wichtigen Rückzugsräume hat die Wechselkröte in Abgrabungen oder Abbauflächen. Deswegen gehören das Verfüllen von Sand- und Kiesgruben oder Veränderungen in der Tagebaunutzung auch zu den Gefährdungsfaktoren.

Hilfe für die Wechselkröte

Diese hübsche Amphibienart wird dem Spruch “hässliche Kröte” in keiner Weise gerecht. Sie kann von natürlichen Garten-, Dorf- und Schwimmteichen profitieren, solange sie wenig Vegetation haben und fischfrei sind. Um sicherzustellen, dass diese nicht zu Todesfallen für die Tiere werden, ist eine Ausstiegshilfe wichtig, damit sie das Gewässer auch wieder sicher verlassen können. Naturnahe Gärten können für die Wechselkröte wichtige Landlebensräume darstellen. Im Gegenzug dezimiert die Wechselkröte unwillkommene Schädlinge, weshalb sie auch ein gern gesehener Gast in Gärtnereien ist. Es ist unbedingt notwendig, naturnahe Flächen und Gärten in Dörfern und Städten zu schaffen, sowie extensiv bewirtschaftete Wiesen und Wanderkorridore, um das langfristige Überleben der Wechselkröte zu sichern.

Wer eine Wechselkröte in freier Natur beobachten kann, darf sich glücklich schätzen! Dann ist es wichtig, das sofort an die Amphibienforscher zu melden. In Österreich ist das hier möglich, in Deutschland sind weitere Informationen hier zu finden.

Hört euch auch unseren Podcast über Amphibien im Wald an, um noch mehr über diese faszinierende Tiergruppe zu erfahren!

Dieses tolle Bild einer griechischen Wechselkröte wurde uns freundlicherweise von Peter Kaufmann, MSc, zur Verfügung gestellt.

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