Österreichische Nationalparks

Das wilde Land Österreich

Die sechs österreichischen Nationalparks und das Wildnisgebiet Dürrenstein sind Österreichs Naturschätze, in denen sich die Natur möglichst ungestört und weitestgehend ohne menschlichen Einfluss entwickeln darf und kann. Ungelenkter, ergebnisoffener Prozess heißt das in der Fachsprache oder bewusstes Nicht-Management (non-intervention).

Nationalpark Kalkalpen – 1997 gegründet, 20.825 ha

Einzigartig in Österreich besteht der Nationalpark Kalkalpen zu 75 % aus Wildnis-Zone. Diese größte Waldwildnis Österreichs wird durch ein 200 km langes, nicht verbautes Bachsystem geschützt. Als „Gen-Reservoir“ trägt der Nationalpark Kalkalpen wesentlich zur Vielfalt der Amphibien, Fledermäuse und Schmetterlinge bei. Seltene Wildtiere wie Fischotter, Steinadler, Weißrückenspecht, Alpenbockkäfer und sogar der Luchs kehren in diesen intakten Lebensraum zurück. Im Nationalpark Kalkalpen wurden mehr als 13.000 ha bereits 2015 gemäß der European Wilderness Quality Standard and Audit System als Wilderness zertifiziert.

Nationalpark Hohe Tauern – Gründungsphasen: 1981 Kärnten, 1984 Salzburg, 1991 Tirol 185.600 ha

Gletscher, Schuttflure, Felswände und Zwergstrauchheiden machen 54 % des Nationalparks aus. Die Gletscherschmelze hat 10 ha alpine Urlandschaften freigegeben, die als Wildnis ausgewiesen werden. Der Nationalpark Hohe Tauern spielt eine wichtige Rolle als Erholungsgebiet und für Österreichs Klima-Forschung. Außerdem betreibt er ein erfolgreiches Programm zur Rückkehr der Bartgeier. Im Nationalpark Hohe Tauern wurden bereits fast 9.000 ha bereits 2015 gemäß der European Wilderness Quality Standard and Audit System als Wilderness zertifiziert.

Nationalpark Donau Auen – 1996 gegründet, 9.300 ha

Der Nationalpark Donau-Auen ist der letzte ökologisch noch weitgehend intakte Auwald Mitteleuropas. Er bietet tiefe Einblicke in die Flusswildnis. In dieser „grünen Lunge“ zwischen Wien und Bratislava fühlen sich Eisvogel, Seeadler, Biber, die Europäische Sumpfschildkröte und zahlreiche Insektenarten sowie Schwarzpappeln und Orchideen sehr wohl.

Wildnisgebiet Dürrenstein

Der „Rothwald“ aus Buchen, Fichten und Tannen kann sich seit der Eiszeit weitestgehend ungestört entwickeln. Dass er mit 400 ha auch heute noch als Urwald gilt, ist Alfred Rothschild zu verdanken. Er wurde auf seinen Reisen von der amerikanischen Naturschutzidee so inspiriert, dass er 1875 verfügte, Teile seines Waldes sich selbst zu überlassen. Im Jahr 2003 – ganze 128 Jahre später – wurde Dürrenstein die Anerkennung als erstes Wildnisgebiet Österreichs nach den IUCN Kategorie I Kriterien verliehen.

Nationalpark Neusieldersee-Seewinkel – 1993 gegründet, 9.064 ha (österr. Anteil)

Österreichs einziger Steppennationalpark wurde bereits 1982 zum Ramsar-Gebiet und 2001 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Hier treffen die ost- und west-
europäische Tier- und Pflanzenwelt aufeinander. Vogelfreunde können Kolonien von Silber-, Grau-, Purpur-, Nacht- und Seidenreihern sowie viele Singvögel, Rallen, Mariskensänger, das Kleine Sumpfhuhn und Bartmeisen beobachten.

Nationalpark Gesäuse – 2002 gegründet, 11.054 ha

Der auch als „Xeis” oder „Gseis“ bezeichnete Nationalpark weist 86 % Naturzone auf und beherbergt überwiegend natürliche und naturnahe Wälder und Urwälder, Feuchtgebiete und Auwälder sowie einzigartige Waldbiotope und den reißenden Wildfluss Enns. Etwa 90 Brutvogel- und 50 Orchideenarten sind hier zuhause.

Nationalpark Thayatal – 2000 gegründet, 1.330 ha (österr. Anteil), total 7.590 ha

Auch im Nationalpark Thayatal kann sich die Natur nahezu ungestört entwickeln: Bäume dürfen alt werden, umfallen
und vermodern. Diese naturnahe Tallandschaft Mittel-
europas schließt an den tschechischen Nationalpark Národní Park Podyjí an. Bedrohte Arten wie der Schwarzstorch finden hier ein letztes Rückzugsgebiet, genauso wie Fischotter und Smaragdeidechse. Selbst Wildkatzen wurden hier nach langer Zeit erstmals wieder in Österreich nachgewiesen.

Perspektiven für Österreichs Nationalparks als Bildungsorte

Aufgrund ihrer besonderen Bedeutung für den Naturschutz und Wildnis sind Nationalparks ein geeigneter Bildungsort für Themen der Ökologie, biologischer Vielfalt und der nachhaltigen Entwicklung sowie Klimaschutz.

In einer überwiegend von Menschen geprägten Landschaft ist es wichtig, dass die Orte, in denen sich die Natur ohne unmittelbaren Einfluss des Menschen entwickeln kann, nach Möglichkeit erlebbar sind und auch besucht werden. Der Schutz dieser natürlichen Eigendynamik in Österreichs Nationalparks ermöglicht ein Erleben naturnaher Landschaften in ihrer ungestörten Entwicklung hin zur Wildnis. Viele Prozesse werden erst in Abhängigkeit von Zeit und Raum sichtbar und verständlich. Die Kernzonen bestehen aus Lebensräumen, die woanders nicht mehr so existieren und auf besondere Weise eine Artenvielfalt präsentieren.

Mit „Let´s get Wild“ werden Besuche in Österreichs Nationalparken angeregt und deren Bekanntheitsgrad erhöht und somit wird der verloren gegangene Bezug zur Natur wieder hergestellt. Wildnis soll nicht nur eine konkrete geschützte Fläche sein, sondern auch geistig-seelische Gestalt im Bewusstsein des Menschen annehmen.

  • Bildungsangebote in Österreichs Nationalpark miterarbeiten
  • Ranger und Bildungsbeauftragte werden aus- bzw. weitergebildet
  • Gewinnprämien sind Aufenthalte in österreichischen Nationalparks
  • Europäische Jugend-Wildnis-Konferenz
  • Interesse an Wildnis in Österreichs Nationalparks durch Entsendung eines Schulvertreters als Wildnisbotschafter in ein Wildniscamp unterstützen